Wie und warum wird man Schriftsteller?

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Am 5.2.26 besuchte Dirk Reinhardt die 8. und 9. Klassen der Realschule, ...

um seine Romane „Train Kids“ und „Edelweißpiraten“ vorzustellen, welche die Mädchen als Lektüre lesen. Die beiden 8. Klassen lauschen gespannt, als er, unterstützt von eigenen Fotos, die er bei seiner Recherche in Mexico aufgenommen hat, von einer der gefährlichsten Reisen der Welt erzählt. Das Besondere an seinem Buch „Train Kids“ ist nämlich, dass es die Jugendlichen, von deren waghalsigen Reise er berichtet, wirklich gibt. Die Erlebnisse der fünf Hauptpersonen des Buches basieren auf realen Vorbildern. Dirk Reinhardt hat dazu selbst Mexico bereist und die Geschichten der Jugendlichen aufgeschrieben. Die Jungen und Mädchen fahren auf ihrer schwierigen und gefahrvollen Reise meist als blinde Passagiere auf den Zugdächern, was dem Buch den Namen „Train Kids“ gegeben hat.

Jahr für Jahr machen sich schätzungsweise bis zu 100.000 allein reisende Jugendliche aus Mittelamerika auf den Weg. Sie sind auf der Suche nach Familienangehörigen oder einem Weg aus der bedrückenden Armut. Viele Orte im Buch, die Auseinandersetzungen mit der korrupten Polizei, Banditenüberfälle und Konflikte mit den berüchtigten Banden, die Maras genannt werden, beruhen auf echten Begebenheiten und diese Authentizität berührt die Schülerinnen sehr. Ein glückliches Ende ist für die 3000 km lange Reise von Miguel, Emilio, Fernando, Angel und Jaz kaum in Sicht. Zigtausende der Migranten, insbesondere die auf sich gestellten Jugendlichen, verschwinden unterwegs, werden getötet oder fallen Unfällen, Banditen oder Drogenkartellen zum Opfer.

In der anschließenden Fragerunde kommt Herr Reinhardt schnell mit den Schülerinnen ins Gespräch. Die Mädchen interessieren sich vor allem für die Recherchen und Reisen des Autors, seine Begegnung mit den Jugendlichen und natürlich, was ihn bewogen hat, selbst Autor zu werden. Dirk Reinhardt verrät, dass er schon in seiner Jugend, in der er viel gelesen hat, öfter mal den Wunsch hatte, ein Buch anders fortzuschreiben, als der jeweilige Schriftsteller es tat. Als er dann später erste Probekapitel an Verlage schickte, ließ er sich von Absagen nicht entmutigen. Seine Ausdauer wurde belohnt, mittlerweile hat er etliche Jugendbücher bei namhaften Verlagen veröffentlicht und wurde 2016 für Train Kids mit dem Friedrich-Gerstäcker-Preis, 2022 mit dem Glauser-Preis und 2025 mit dem Deutschen Jugendliteraturpreis (Preis der Jugendjury) für seinen Roman „No Alternative“ ausgezeichnet.

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Von der Widerstandsgruppe der „Edelweißpiraten“ im Dritten Reich erzählt der Autor danach den beiden neunten Klassen. Er nimmt sie mit in die Zeit des Zweiten Weltkriegs, als sich im Ruhrgebiet eine anfangs unpolitische Gruppe von Jugendlichen aus der Arbeiterschaft formiert, die zunächst wegen ihrer freiheitlichen Gesinnung ins Visier des Naziregimes gerät. Anders als etwa die „Weiße Rose“, die Stauffenberg Attentäter oder der Schreiner Georg Elser, die bis auf den heutigen Tag in Erinnerung geblieben sind, hat die Jugendbewegung der „Edelweißpiraten“ viele Jahre keine gesellschaftliche Anerkennung erfahren. In der jungen BRD wurden sie zunächst als Unruhestifter verunglimpft und ihr Engagement gegen den Unrechtsstaat wegen der „unpolitischen“ Ausrichtung in Frage gestellt.

Doch auch wenn sie anfangs vor allem aus Freiheitsliebe beginnen, die Wehrerziehung der Hitler-Jugend zu verweigern, so entwickeln sie in der Auseinandersetzung ein politisches Bewusstsein und erkennen zunehmend den menschenverachtenden Charakter des Regimes. Die Jungen und Mädchen revoltieren mit den Waffen der Jugend: sie provozieren durch ihr Äußeres, ihre bunte Kleidung, ihre längeren Haare. Gerade diese „Normalität“ der Jugendlichen, die sich „nur“ ihre persönliche Freiheit nicht nehmen lassen wollen, macht es den Zuhörerinnen leicht, sich mit ihnen zu identifizieren. Doch in der Gegnerschaft zur Nazi-Diktatur radikalisieren sich die Edelweißpiraten und setzen Gesundheit und Leben aufs Spiel, um sich gegen die Repressalien zur Wehr zu setzen.

Es kommt zu Straßenschlachten zwischen der Hitler-Jugend und den Edelweißpiraten, die Jugendlichen beginnen Flugblätter zu verbreiten und schreiben aufrührerische Parolen an Wände und Unterführungen. So wird etwa aus dem HJ-Spruch: „Deutschland wird leben, auch wenn wir sterben müssen“ ein „Deutschland wird leben, wenn ihr gestorben seid“. Natürlich geraten sie so ins Visier der Gestapo, die sie auch ins berüchtigte EL-De-Haus bringt und dort mit Drohungen und Schlägen versucht, ihnen Geständnisse abzuringen.

Auf die Frage, wie er gerade auf dieses Thema gestoßen sei, erzählt Dirk Reinhardt eine persönliche Geschichte. Auf dem Heimweg vom Dorfladen nahm seine Oma immer einen Umweg und als er sie fragte, weshalb, erklärte sie ihm, dass sie im Krieg englischen Rundfunk gehört habe und denunziert worden sei. Zum Gestapoverhör nahm sie Dirk Reinhardts Vater, der damals noch ein Kind war, mit, in der Hoffnung, so milde behandelt zu werden. Stattdessen wurde ihr angedroht, ihr den Jungen wegzunehmen, woraufhin sie gestand. Als Kriegerwitwe kam sie noch einmal mit dem Schrecken davon, doch dieser Gestapobeamte lebte noch Jahrzehnte nach dem Krieg unbehelligt im selben Dorf und an seinem Gartentor wollte sie nicht vorbeigehen. Diese Geschichte, so Herr Reinhardt, habe sein Interesse an der Nazizeit geweckt und ihn bewogen, Geschichte zu studieren.

Die jugendlichen Helden des Buches zeigen Courage und Zusammenhalt. Für sie geht es darum, in schwierigen Zeiten ihren Idealen treu zu bleiben. Mit dieser Haltung, die natürlich letztendlich doch eine sehr politische ist, die für die Freiheit und Würde des Menschen eintritt und der Nazi-Diktatur trotz der Gefahr für Leib und Leben die Stirn bietet, sind die Edelweißpiraten für uns alle ein Vorbild. Sie treten den Beweis an, dass Widerstand gegen ein Unrechtsregime dort beginnt, wo sich der Einzelne aus Freiheitsliebe oder Gewissensgründen der Indoktrinierung und Verführung der Menschen entgegenstellt – „wie ein kleiner Schneeball, aus dem am Ende eine ganze Lawine wird“.

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